Öffentliche Ringvorlesung des NWV zusammen mit der Universität Bremen, der Hochschule Bremen und dem Übersee-Museum mit dem Rahmenthema:

Rückkehrer und Neubürger – Schutz, Bekämpfung oder was?

Was machen wir mit dem Wandel in Fauna und Flora


Waschbär in Lebendfalle, credit: Infrogmation (cc by-sa 4.0)

Ökosysteme sind von Natur aus dynamisch, auch ihr Artenbestand kann nicht statisch sein. Zumeist beachtet und schützt der Naturschutz die Arten, die im Bestand zurückgehen bzw. schon verschwunden sind. Ändert sich der Trend, breiten sich Arten wieder aus, nimmt die Wertschätzung meist ab. Rückkehrer werden oft eher skeptisch betrachtet. Das trifft weit stärker auf Arten zu, die aus anderen Faunengebieten kommen und als Neubürger meist als störend vermutet werden. Allemal ist die reale Datenbasis für die Einschätzung meist gering, wie im Alltagsleben auch ist Unkenntnis die beste Basis für Fehlurteile, positiv wie negativ.
Die allermeisten „neuen“ Arten sind wirbellose Tiere, die kaum jemand sieht oder kennt. Wirbeltierarten sind hingegen eher wahrnehmbar und werden, zumindest wenn sie Federn oder Haare tragen, oft spontan positiv betrachtet. Daher werden in der Ringvorlesung überwiegend Wirbeltiere behandelt, auch weil es dazu zumindest regional Forschungsprojekte gibt. Es ist aber zu hoffen, das sich zu dem Thema in der Zukunft mehr Projekte auch zu Wirbellosen und zu Pflanzenarten finden werden. Insofern soll die vorliegende Reihe einen ersten Einstieg über exemplarische Beispiele vermitteln

Dr. Hans-Konrad Nettmann (31. August 2026)

 

Stand: 15. Sept. 2026

Zum Ausdrucken & Verbreiten (Poster/Flyer)

 

 

Montag, 16. November 2026

Dr. Manuela Merling de Chapa (Hamburg)

SchreiadlerSchreiadler (Clanga pomarina), Foto: Sebastian Willnow, cc-by-sa 4.0

Der Schreiadler zählt zu den seltensten Brutvogelarten Deutschlands. Sein langfristiger Erhalt erfordert gezielte Schutzmaßnahmen, die auf fundierten Kenntnissen seiner Lebensweise, kontinuierlichem Monitoring und praktischer Naturschutzarbeit aufbauen. Der Vortrag gibt Einblicke in aktuelle Entwicklungen im Schreiadlerschutz und stellt insbesondere das Verbundprojekt „Gemeinsam für den Schreiadler“ vor, in dem Monitoring und praktische Schutzmaßnahmen eng miteinander verknüpft werden. Im Mittelpunkt stehen die Nutzung von Brut- und Nahrungslebensräumen, bestehende Gefährdungen sowie Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung geeigneter Lebensräume. Darüber hinaus werden weitere aktuelle Forschungsarbeiten und Ansätze vorgestellt. Diese können neue Erkenntnisse über die Lebensweise und Ökologie des Schreiadlers liefern und dazu beitragen, bestehende Schutzmaßnahmen zu bewerten und zukünftige Schutzstrategien weiterzuentwickeln. 

Montag, 23. November 2026

Dr. Daniel Tost (Hannover)

BirkhahnfotoBirkhahn (Lyrurus tetrix). Foto: Vnp at wikipedia. cc-by-sa 3.0 de

Lange Zeit war das Birkhuhn in Norddeutschland weit verbreitet. Heute ist es aus unserer Landschaft und unseren Köpfen fast verschwunden. Wer ist das Birkhuhn, wo lebte es früher, warum ist es verschwunden und wo kommt es heute noch vor? Welche Chancen hat es, in frühere Lebensräume zurückzukehren und überhaupt: wie steht es um die Art vor unserer Haustür und was können, was müssen wir tun, um sie zu erhalten? Viele Fragen, die engagierte Artenschützer – und die Forschung – beschäftigen.

Dieser Vortrag will einen Einblick geben in die Population in der Lüneburger Heide, aktuelle Schutzbemühungen, was die Forschung beitragen kann und wo noch offene Fragen bestehen. 

Montag, 30. November 2026

Dr. Berit Michler (Eberswalde)


Waschbär (Procyon lotor), Foto: Roman Vitt

Der Waschbär ist gekommen, um zu bleiben - doch wie gehen wir mit einem Neubürger um, der gleichermaßen als Problemart wie als Teil unserer heimischen Fauna wahrgenommen wird? Der Vortrag beleuchtet biologische Grundlagen, die politische Einordnung und aktuelle Ansätze des Waschbärmanagements. Dabei wird deutlich, wie stark die Debatte um invasive Arten von politischen und gesellschaftlichen Interessen geprägt ist und wie sehr ökologische Erkenntnisse dabei in den Hintergrund geraten. Doch ein Wildtiermanagement, das vor allem Symptome bekämpft, greift zu kurz. Es braucht ein Umdenken: weg von politisch aufgeladenen Einzelmaßnahmen, hin zu einem ökologisch fundierten, wirksamen und langfristig tragfähigen Umgang mit dem Wandel in unserer Fauna.

Montag, 07. Dezember 2026

Ole Anders (Oderhaus)

LuchsfotoLuchs (Lynx lynx), Foto: Ole Anders (Ausschnitt)

Seit dem Jahr 2000 ist der Luchs durch ein Wiederansiedlungsprojekt im Nationalpark Harz zurück in der Mitte Deutschlands. Schon seit 2002 kommen im Harz regelmäßig junge Luchse zur Welt und inzwischen gibt es sichere Luchsnachweise auch im Weser- und Leinebergland. Das Luchsprojekt Harz gehört somit zum kleinen Kreis erfolgreicher Luchs-Wiederansiedlungen in Europa. Doch die Zukunft der Katze mit den Pinselohren ist keinesfalls gesichert. In den kleinen und isolierten Luchsvorkommen auf dem Kontinent droht Inzucht. Wird der Luchs ein weiteres Mal aussterben? 

Montag, 14. Dezember 2026

Marlene Thomas (Hannover)

OtterFischotter (Lutra lutra). Foto: Peter Trimming, cc-by-sa 2.0

Hier gibt es Fischotter?? Viele wissen nicht, dass der bis 12 kg schwere Marder in Niedersachsen wieder nahezu flächendeckend verbreitet ist. Um die aktuellen Entwicklungen um den Fischotter zu verstehen, beschäftigen wir uns mit der Geschichte seines Vorkommens in Deutschland und dem Hergang seines Aussterbens in weiten Teilen des Landes. Welche Schutzmaßnahmen führten schließlich zu seiner Wiederausbreitung und wie hat sich der Lebensraum, in den er zurückkehrt, inzwischen verändert? Welchen aktuellen und zukünftigen Gefahren ist er ausgesetzt? Einblicke in die Pilotstudie „Populationsmonitoring und Nahrungsanalysen bei Fischottern“ zeigen, wie die wissenschaftliche Untersuchung auch sehr scheuer Säugetierarten gelingen kann, um sie zu schützen und zwischen Menschen und Tier zu vermitteln. 

Montag, 11. Januar 2027

Dr. Lydia Hönig (Hamburg)

Foto: FeldhamsterFeldhamster (Cricetus cricetus), Foto: Agnieszka Szeląg, cc by-sa 3.0.

Der Feldhamster - Verloren auf weiter Flur? Der Feldhamster ist in den letzten 50 Jahren tief gefallen - um bis zu 99% sind seine Bestände in Deutschland bzw. in seinem europäischen Verbreitungsgebiet eingebrochen. Dabei sah es bis in die 1970er Jahre auf Schwarzerde- und Lössböden noch gänzlich anders aus. Unvorstellbar, dass aus dem omnipräsenten Ernteschädling eine vom Aussterben bedrohte Leitart der Agrarlandschaft wird. Der Status quo des Feldhamsters ist inzwischen höchst vulnerabel und die Rahmenbedingungen in seinem Lebensraum könnten kaum herausfordernder sein. Ohne agrarpolitische Änderungen hat die Art kaum noch eine Chance zu überleben. Bis der politische Wille da ist, helfen Schutzmaßnahmen kleinste Bestände zu schützen und zu stärken. 

Montag, 25. Januar 2027

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Verena Wutz (Bremen)


"Flechtenbaum", (Foto: Verena Wutz)

Flechten sind als symbiotische Organismengemeinschaft sehr gute Bioindikatoren um Luftverschmutzung und Klimawandel zu überwachen. Aufgrund der hohen Schwefeldioxidbelastungen Mitte des 20sten Jahrhunderts, entwickelten sich in den Städten große flechtenfreie Bereiche, in denen ein Überleben nur für vereinzelte Arten möglich war. Durch Reduzierungen der SO2-Belastung und die erhöhten Temperaturen und Niederschläge kehren Flechten seit Beginn des 21sten Jahrhunderts wieder nach Bremen zurück. Wie sich die Artenzusammensetzung im Laufe der letzten 150 Jahre in Bremen und Nord-West-Niedersachsen verändert hat und wie sie sich zukünftig entwickeln könnte, sind die zentralen Fragestellungen dieses Vortrages.

Montag, 01. Februar 2027

Leonie Spereiter (Hannover)

PodarcisMauereidechse (Podarcis muralis).
Bild: Mariomassone, cc-by-sa 4.0

Die anthropogene Ausbreitung der Mauereidechse in Deutschland und ganz Mitteleuropa wird schon seit mehr als 100 Jahren dokumentiert. Neben der gelegentlichen Aussetzung durch private Halter, reist die Mauereidechse heute meist selbstständig als blinder Passagier in Gütertransporten per Bahn und LKW durch das Land und hat inzwischen auch Bremen und das Umland erreicht. Nachdem 2016 die erste Population in Brinkum dokumentiert wurde, sind nun bereits vier erfolgreich reproduzierende Populationen und zahlreiche weitere Fundorte im Bremer Raum bekannt. Leonie Spereiter befasste sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in den Jahren 2025 und 2026 ausführlich mit den Mauereidechsen in Bremen und bietet in diesem Vortrag einen Einblick in verschiedene Aspekte der Ökologie der neuen Nachbarn. 

Montag, 08. Februar 2027

Sarai Göhler (Karlsruhe), Celestine Kumlehn (Karlsruhe)

OchsenfroschOchsenfrosch - mit seinem sehr auffälligen, runden Trommelfell hinter dem Auge. Foto: Katja Schulz (Washington, D. C.), cc-by 2.0

Der Nordamerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus) wird seit 2016 auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung (Unionsliste) geführt. In der Oberrheinaue nördlich von Karlsruhe befindet sich ein etabliertes Vorkommen. Mit den bisher eingesetzten Mitteln und Methoden scheint lediglich die weitere Ausbreitung stark verlangsamt zu werden, eine Entfernung aus den besiedelten Gewässern scheint nicht zu gelingen. Im Rahmen einer 2021 durchgeführten Masterarbeit wurde in 50 Nächten der Einsatz von Reusenfallen mit Klangattrappen evaluiert. Zum Einsatz kamen zwei zum Teil modifizierte, bereits in der Literatur als vielversprechend bewertete Fallentypen sowie eine handelsübliche Krebsreuse. Dabei wurde deren Wirksamkeit sowohl zur quantitativen Entnahme als auch zur Entnahme von konkreten Einzeltieren getestet. Als Lockmittel dienten Klangattrappen mit verschiedenen Schalldruckpegeln und Audio-Setups. 

Montag, 15. Februar 2027

Dr. Frank-Uwe Michler (Eberswalde)

Elch BertSenderelch "Bert" stand fast neun Jahre unter telemetrischer Beobachtung. Foto: HNEE, Dr. Frank-Uwe Michler. cc

 

Montag, 22. Februar 2027

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